Nach langer Wartezeit und hohen Erwartungen hat OpenAI mit GPT-4.5 sein neuestes Sprachmodell vorgestellt. Zwar noch nicht für alle Nutzer verfügbar, gibt es aber bereits einen Vorgeschmack auf die Zukunft emotionalerer und natürlicherer KI-Assistenten. Gerade angesichts Veröffentlichungen wie dem KI-gestützten Alexa Plus ist das ein wichtiger Schritt.
Das Hauptaugenmerk liegt bei GPT-4.5 auf gesteigerter emotionaler Intelligenz und verbesserten Konversationsfähigkeiten. In Tests zeigte das Modell mehr Einfühlungsvermögen und Wärme in seinen Antworten als frühere Versionen. Statt nur trocken Ratschläge zu geben, fragte GPT-4.5 verständnisvoll nach, ob der Nutzer über ein Problem reden oder abgelenkt werden möchte.
Jetzt unseren WhatsApp Newsletter-Kanal abonnieren!Dieser Entwicklungssprung gelang durch Fortschritte im selbstständigen Lernen. Mit mehr Daten und Rechenleistung fürs Training entwickelte GPT-4.5 ein tieferes Verständnis für die Welt und menschliche Kontexte. So treten weniger Halluzinationen – fehlerhafte Ausgaben – bei Faktenfragen auf.
Dennoch löst GPT-4.5 das Halluzinationsproblem nicht vollständig. In einem weit verbreiteten Benchmark generierte es immer noch in über einem Drittel der Fälle inkorrekte Antworten – ein Fortschritt, aber keine Komplettlösung.
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GPT-4.5 ersetzt zudem nicht OpenAIs spezialisierte Reasoning- oder omnimodalen Modelle (also GPT-4o, das Text, Bild und Audio versteht). Fähigkeiten wie Spracherkennung fehlen weitgehend. Stattdessen ist es ein Zwischenschritt auf dem Weg zu GPT-5 – OpenAIs nächstem Meilenstein, der in den nächsten Monaten folgen dürfte.
GPT-5 soll die breiten Kenntnisse und emotionale Intelligenz von 4.5 mit der logischen Schlussfolgerungsleistung aktueller Spitzenmodelle vereinen. Ein „Chain-of-Thought“-Modell, das Probleme schrittweise zerlegt und löst. Für ChatGPT soll das außerdem zu einem vereinheitlichten System führen, anstatt viele separate Modelle anzubieten, was ich für ziemlich wichtig halte, damit das ein nützliches Endanwender-Produkt wird.
Andrej Karpathy, bis vor Kurzem noch einer der führenden OpenAI-Entwickler, hat GPT-4.5 mehrere Tage getestet. Wie er festhält, bringe das Modell wie auch schon beim Wechsel von GPT-3.5 auf GPT-4 überall leichte, aber spürbare Verbesserungen: „Die Wortwahl ist kreativer, Nuancen werden besser verstanden, Analogien machen mehr Sinn. Das Modell ist witziger.“
Karpathy sieht darin einen qualitativen Nachweis, welche Fähigkeitssteigerungen allein durch größere Modelle und mehr Rechenleistung fürs Training möglich sind. Das ist ein Punkt, in dem sich die KI-Industrie nämlich nicht so richtig einig ist.
Vorerst bietet GPT-4.5 einen faszinierenden Vorgeschmack auf einfühlsamere, umgänglichere KI-Assistenten. Auch wenn erwartbare Ernüchterung folgen und Halluzinationen immer noch nicht ganz weg sind (und vielleicht auch nie ganz weg sein werden), zeigt es den Weg in eine Zukunft natürlicherer Mensch-Maschine-Interaktion.
Ich konnte GPT-4.5 leider noch nicht testen. Obwohl ich seit langer Zeit treuer Plus-Kunde bin und 20 Dollar jeden Monat loswerde, dürfen zunächst nur die Pro-Kunden für 200 US-Dollar monatlich ran. Nächste Woche sollen Plus- und Team-Nutzer dann aber endlich GPT-4.5 ausprobieren.